Mischwald aus Froschpersepktive

Vielfältige Lösung: Der Mischwald
als Antwort auf Klimaveränderungen

Klimaveränderungen machen sich auch in deutschen Wäldern bemerkbar. Insbesondere der Rekordsommer 2018 hat Pflanzen und Böden so stark ausgetrocknet, dass zahlreiche Bäume verendet sind oder durch ein verkümmertes Wurzelwerk starken Winden nicht mehr standhalten konnten.
So manche heimische Baumart ist den steigenden Temperaturen schlichtweg nicht mehr gewachsen – und bekommt nun Unterstützung aus anderen Breitengraden.
Hier erfährst Du, warum Forstwirte im Kampf gegen den Klimawandel auf Mischwälder setzen.

Draufsicht Mischwald Draufsicht Mischwald

Diesen Herausforderungen sind unsere Bäume ausgesetzt

Drei große Herausforderungen sind es, denen unsere Bäume durch die steigenden Temperaturen ausgesetzt sind: Hitze, geringer Niederschlag und starke Stürme.

Einerseits führen die wärmeren Durchschnittstemperaturen zu einer Vermehrung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer – andererseits können die Bäume durch zu wenig Regen nicht ausreichend Harz als Schutz vor Schädlingen ausbilden und auch das Wurzelwerk ist nicht so stabil im Boden verankert, wie es sein sollte. Sprich: Stürme und extreme Winde können einen wesentlich größeren Schaden anrichten.

Doch es gibt eine Lösung: Vielfalt. An unterschiedlichsten Stellen in Deutschland setzen Förster vermehrt auf Mischwälder – also auf den Einsatz unterschiedlicher Baumarten in einem Gebiet. Flach- und Tiefwurzler, Nadel- und Laubbäume. Die Mischung macht’s.

Trockene Fichten Trockene Fichten

Die Fichte hat mit Trockenheit und Borkenkäfern zu kämpfen

Beispiel: Fichte. Der Nadelbaum ist in vielen Regionen Deutschlands stark vertreten. Häufig – wie etwa im Bayerischen Wald – gibt es sogar reine Fichtenwälder.

Etwa die Hälfte des in Deutschland verarbeiteten Holzes stammt von Fichten. Mit einem Anteil von knapp 28 Prozent ist sie auf Platz 1 der häufigsten Bäume in der Bundesrepublik.

Als Flachwurzler ist sie allerdings auf regelmäßigen Niederschlag angewiesen, da sie ihr Wasser nicht aus den Tiefen des Erdreichs ziehen kann. In heißen und trockenen Sommern ein großes Problem. Zudem macht ihr der Borkenkäfer immer stärker zu schaffen.

Porträt Ulrike Höfken Porträt Ulrike Höfken

„Mischwälder werden ein Leitbild der Zukunft sein“

Ulrike Höfken, Forstministerin in Rheinland-Pfalz, kennt das Problem. Und eine mögliche Lösung.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagte sie unlängst: „Wir wissen, dass Monokulturen auf keinen Fall eine Chance haben, sondern dass Mischwälder ein Leitbild der Zukunft sein werden, auch um die Risikostreuung zu erreichen. Und wir sehen natürlich, dass die Fichte hier am Standort keine Perspektive hat, weil sie weder die Stürme noch die Hitze übersteht und auch von den Schaderregern massiv befallen wird.“

Aufforstung durch neue Bäume Aufforstung durch neue Bäume

Der Einsatz nicht-heimischer Baumarten

Um eben diese erwähnte Risikostreuung bestmöglich gewährleisten zu können, setzen Förster nun in vielen Regionen des Landes auf den Mischwald statt auf die Aufforstung mit einer einzelnen Baumart. Das Risiko durch den Klimawandel soll hierdurch minimiert und verteilt werden.

Oft steht dabei eine ganz besondere Form des Mischwaldes im Fokus. Eigentlich versteht man unter einem Mischwald schlichtweg die Mischung von Laub- und Nadelbäumen. Mit Blick auf den Klimaschutz geht es jedoch um mehr: nämlich um den Einsatz fremder und in Deutschland nicht heimischer Baumarten. Der Grund hierfür ist einfach: Sie sind an andere klimatische Bedingungen gewöhnt und sind resistenter gegen Hitze und Dürre.

Diese Bäume werden vermehrt eingesetzt

Hoch im Kurs stehen bei Förstern insbesondere die aus Nordamerika stammende Küstentanne oder die Douglasie. Aber auch der Baum des Jahres 2020, die Robinie, hat positive und resistente Eigenschaften. Zudem gibt es einige in Deutschland und Mitteleuropa heimische Baumarten, auf die mittlerweile vermehrt gesetzt wird, wie etwa die Esskastanie oder die Linde. „Wir sollten beobachten, welche Baumarten aus ihrem Verbreitungsgebiet herauswandern – wie etwa Fichte und möglicherweise auch Buche – und welche heimischen und neuen Arten sich unter den veränderten klimatischen Bedingungen wohlfühlen“ , sagte Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme, Anfang des Jahres im Gespräch mit dem NDR.

Genau dieses Vorgehen und der Einsatz unterschiedlichster – heimischer und für unsere Breitengrade neuer – Baumarten könnte ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels in unseren Wäldern sein.

Mehr zu diesem Thema erfährst Du in den beiden unten stehenden Artikeln.