Wald im Sauerland aus Vogelperspektive

Fichte, Buche, Eiche:
Bäume und Baumarten in Deutschland

Ahorn, Eibe oder Zirbe – ebenso groß wie die Vielfalt deutscher Baumarten ist auch das Spektrum der unterschiedlichen Bedingungen, die sie zum Wachsen benötigen. Was sie gemeinsam haben: Sie sind für den Menschen lebensnotwendig. Denn Laub- und Nadelbäume senken den CO2-Gehalt in der Luft und produzieren Sauerstoff. Sie speichern Wasser, dienen als Wind- und Erosionsschutz und bilden einen komplexen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Viele gute Gründe, warum alljährlich am 25. April der „Tag des Baums“ gefeiert wird.

Offiziell existieren bei uns 76 von 60.000 Baumarten
Bei der letzten Bundeswaldinventur, die 2012 durchgeführt wurde, konnten 76 verschiedene Baumarten (von weltweit über 60.000) gezählt werden. Für diese Bestandsaufnahme zogen Dutzende Fachleute zwischen Nordsee und Alpen in die Wälder und zählten. Heraus kam, dass die Fichte mit 26% die am häufigsten vorkommende Baumart in Deutschland ist. Auf Platz 2 bis 4 liegen Kiefer (23%), Buche (16%) und Eiche (10%).

Die Relation Mensch zu Baum
In Deutschland kommen übrigens auf einen Bewohner etwa 100 Bäume. In Norwegen sind es 3.000 Bäume pro Kopf, und auf jeden Bewohner Russlands entfallen sogar 4.500 Bäume!

Fichtenzweig Nahaufnahme Fichtenzweig Nahaufnahme

Fichte oder Tanne – der Zapfen macht den Unterschied

„Anspruchslos“ ist normalerweise kein positiv besetztes Adjektiv. Doch auf die Fichte trifft es zu und macht diesen Baum zum meistgenutzten Nadelgehölz in Mitteleuropa. Gerne wird es in der Industrie als Balken, Brett oder Furnierholz eingesetzt.
Verwechslungsgefahr mit anderen Nadelbäumen gibt es bei näherer Betrachtung nicht. Du erkennst die Fichte an den Zapfen, die vom Ast herabhängen – im Gegensatz zur Tanne, bei der diese aufrecht nach oben wachsen. Ein weiterer Unterschied ist schuld daran, dass die Fichte als Weihnachtsbaum schon lange von der Tanne abgelöst worden ist: Die Nadeln der Fichte pieksen im Gegensatz zu denen der Tanne unangenehm und können rote Flecken auf der Haut hinterlassen.
Die vielen Regentage in Deutschland bekommen der Fichte gut, denn sie braucht viel Wasser. Schattige Standorte machen ihr nicht viel aus. Dafür aber der sogenannte Borkenkäfer – ein Schädling, der vor allem nach trockenen Sommern und in weniger feuchten Regionen ganze Wälder zerstören kann.

Bäume bestimmen: Fichte

Sie hat ein bis zwei Zentimeter lange Nadeln. Ihre Zapfen werden zehn bis fünfzehn Zentimeter groß und hängen von den Ästen nach unten. Die Borke der Fichte ist rotbräunlich.

Zweig einer Kiefer Zweig einer Kiefer

In der Welt zu Hause: die Kiefer

In den kalifornischen White Mountains steht eine Kiefer bereits seit mehr als 5.000 Jahren.

Zugegeben, so alt sind die deutschen Kiefern nicht, aber der „internationalste“ unter den Nadelbäumen fühlt sich auch in unseren Breitengraden wohl und ist hier heimisch. Hierzulande werden Kiefern bis zu 50 Meter hoch, wachsen bis zur Baumgrenze auch in den Bergen, und ihre Sprösslinge dienen Rehen, Hirschen, Gämsen und Steinböcken als Festmahl.

Kiefernholz wird häufig zum Bauen verwendet – überwiegend im Außenbereich. Das Holz ist stark harzhaltig, riecht daher intensiv und fault nicht so leicht. Das Harz diente bereits im Mittelalter als Klebstoff und wurde auch gerne als Schmierfett eingesetzt.

Bäume bestimmen: Kiefer

Die Kiefer hat relativ lange Nadeln, die bei unseren heimischen Kiefern paarweise wachsen. Hier gibt es immer zwei Nadeln pro Kurztrieb. Bei der gesamten Gattung von Kiefern können es bis zu 5 Kurztriebe sein.

Ihre Zapfen sind kleiner als die der Fichte und wachsen nach oben.

Die Frucht einer Buche Die Frucht einer Buche

Natürlicher Staubsauger: die Buche

Von Schweden bis Italien – die Buche fühlt sich überall zu Hause und ist der hierzulande am häufigsten vertretene Laubbaum.

In Deutschland findet man überwiegend die Rotbuche. Insgesamt gibt es mehr als zehn verschiedene Arten. Auf den allermeisten Standorten in Deutschland ist die Buche die dominierende Baumart und fehlt nur auf den Extremstandorten, wie sehr trockenen oder feuchten Flächen.

Buchen werden bis zu 300 Jahre alt. Man kann aus ihnen Möbel bauen, nutzt sie für Treppen-Konstruktionen und Parkettböden. Auch für die Befeuerung im Kamin eignet sich Buchenholz hervorragend. Für die Umwelt ist sie ein wichtiger Sauerstoffproduzent. Ein Buchenwald filtert pro Hektar und Jahr etwa 70 Tonnen Staub aus der Luft. Ein einziger Baum produziert jährlich etwa 7.500 Kilogramm Sauerstoff.

Bäume bestimmen: Buche

Buchen haben meist grau-braune und glatte Stämme und wachsen hoch empor.

Ihre Blätter sind eiförmig, geriffelt und an den Rändern wellig. Ihre Früchte sind die Bucheckern, die im Herbst heranreifen.

Blatt und Frucht einer Eiche Blatt und Frucht einer Eiche

Harter Vertreter: Eiche

„Was stört es die stolze Eiche, wenn sich die Wildsau daran kratzt“ – mit diesem Sprichwort bringt man gerne zum Ausdruck, dass es einen überhaupt nicht interessiert, was andere über einen denken. Eine gesunde Einstellung. Die Eiche ist dabei nicht zufällig gewählt: Denn sie ist das Symbol für Beharrlichkeit, Dauerhaftigkeit und Würde.

Weltweit soll es etwa 600 bis 1.000 verschiedene Arten geben. In Deutschland sind vor allem die Stiel- und die Traubeneichen bekannt. Oft heißt es, die Eiche habe das härteste Holz. Das ist allerdings falsch.

Kleiner Exkurs: Die Härte von Holz wird in „Brinell“ angegeben und mithilfe eines Kugeldruck-Messverfahrens ermittelt, das der schwedische Ingenieur Johan August Brinell im Jahre 1900 vorstellte. Je höher der Wert, desto härter ist das Holz.
Eichenholz hat eine Brinellhärte von 38. Dagegen erreicht die ursprünglich aus Nordamerika stammende Robinie einen Wert von 48 – und zählt damit zu den härtesten Hölzern.

Bäume bestimmen: Eiche

Ihr Blattumriss hat wellenförmige Einbuchtungen, ihr Stamm trägt eine graubraune Borke mit tiefen Furchen.

Eichen können sehr alt werden – manche bis zu 1.000 Jahre. Ihre Früchte sind Eicheln und reifen im Herbst.

Lärchenfrucht Lärchenfrucht

Die Lärche: gar nicht immergrün

Wer glaubt, alle Nadelbäume seien immergrün, irrt! Die Lärche wirft im Herbst ihre Nadeln ab und tut es damit den Laubbäumen gleich. Der Grund: Ihre Wurzeln können dann nicht mehr ausreichend Wasser bis in die Nadeln leiten. Doch bevor sie abfallen, saugt der Baum noch einmal alles aus ihnen heraus, was er gebrauchen kann. Das sind vor allem stickstoffhaltige Eiweißbausteine, die in Stamm und Wurzel gespeichert werden. Als Reste des Abbaus bleiben rote und gelbe Farbstoffe in den Nadeln zurück, ehe sie schlussendlich zu Boden fallen. Vermutlich ist dieser Kreislauf auf Zeiten zurückzuführen, als die Lärche überwiegend im Gebirge auf Höhen bis zu 2.500 Meter vorkam und dort Temperaturen von bis zu minus 40 Grad ausgesetzt war.

Wie ein Laubbaum benötigt die Lärche weniger Wasser, wenn sie ihre nadelförmigen Blätter abwirft. Das Holz der Lärche ist besonders widerstandsfähig und wird daher gerne zum Boots- und Hausbau verwendet.

Bäume bestimmen: Lärche

Die Nadeln der Lärche sind in Gruppen rosettenartig angeordnet und wechseln die Farbe von hellgrün zu dunkelgrün bis zu gelblich, bevor sie im Herbst abfallen. Sie blüht im Frühjahr, allerdings nicht jährlich, und vermehrt sich über Samen mit Flügeln. Die Borke ist in jungen Jahren glatt und grau und wird später dick, schuppig und rotbraun.

Eine Eibe mit Blüten Eine Eibe mit Blüten

Selten und giftig: die Eibe

Einst gab es ganze Eibenwälder in Europa – doch das ist Geschichte.

Heute ist die Nadelbaumart eher selten anzutreffen, und ihr Bestand wird in Deutschland auf lediglich etwa 60.000 Bäume geschätzt. Von denen finden sich die meisten in Thüringen und in Bayern. Aus diesem Grund steht die Eibe auch auf der Roten Liste der gefährdeten Baumarten in Deutschland. Eiben wachsen nur sehr langsam. Das macht ihr Holz besonders hart und begehrt.

Holger Lohse, Förster im Erzgebirge, warnt allerdings davor, Eiben zu nahe zu kommen: „Wer die Nadeln, das Holz, die Rinde oder den Samen berührt hat, sollte sich danach lieber die Hände waschen. Ihr Gift wirkt sich schädlich auf die Verdauungsorgane, das Nervensystem, die Leber und die Herzmuskeln aus.“

Bäume bestimmen: Eibe

Zwischen März und April blüht die Eibe, bevor sie bis zum Herbst ihre kleinen roten, beerenartigen Früchte bildet.
Die Farbe der Nadeln zeigt sich auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite etwas heller. Die Eibe wird oftmals in Kübeln gezogen.

Ahornblätter am Baum Ahornblätter am Baum

Vielseitig im Wuchs: der Ahorn

Ob kleiner Strauch oder großer Baum – der Ahorn präsentiert sich in fast jeder Variante.

In Deutschland gibt es drei gängige Ahornarten, der Feldahorn ist einer davon. Man nennt ihn auch den robusten Überlebenskünstler, weil er stark verdichtete Böden, Trockenheit und auch zu viel Wasser verzeiht. Aus diesem Grund ist der Feldahorn – entgegen seinem Namen – selbst in belebten Stadtgebieten zu finden.

Sein Holz weist eine schöne Maserung auf, was ihn als Lieferant für schmückende Gegenstände und Deko-Objekte sehr beliebt macht.

Bäume bestimmen: Ahorn

Der Feldahorn steht oft am Waldesrand oder sogar gänzlich frei, wohingegen Berg- und Spitzahorn eher im Wald anzutreffen sind.

Seine Borke ist zu Beginn braun und glatt und wird später rissig. Die Samen des Ahorns haben Flügel und segeln in einer markanten Rotationsbewegung zu Boden.

Birkenblätter am Baum Birkenblätter am Baum

Allergiker aufgepasst: Birken

Sie kann einen wirklich zu Tränen rühren – allerdings weder in einem romantischen, noch in einem fröhlichen Sinn: Birkenpollen sind Hauptauslöser für Heuschnupfenattacken und bescheren Allergikern jedes Jahr aufs Neue Niesanfälle im Frühjahr.

Allerdings sind Birken auch extrem vielseitig in ihrer Nutzung. Schon Wilhelm Busch schilderte „Man zapfet aus der Birke sehr angenehmen Wein, man reibt sich, dass es wirke, die Glatze damit ein.“ Außerdem soll Birkenwein, laut Volksglaube, schwindender Manneskraft nachhelfen. Zu finden ist die Birke in ganz Deutschland.

Bäume bestimmen: Birke

Die Blätter sind eiförmig und an den Enden gezackt. Ihre Stämme sind auffällig weiß gefleckt und in jungen Jahren oft rotbraun.

Sie gehört zu den Frühlingsblühern. Ihre Blüten heißen Kätzchen.

Eine Reihe von Apfelbäumen Eine Reihe von Apfelbäumen

Von der Hand in den Mund: Obstbäume

Aprikosen, Kirschen oder Pflaumen – für Hobby-Gärtner sind Obstbäume die Erfüllung eines Traums.

Sie sind aber nicht nur Lieferanten für frisches Obst von Apfel bis Zwetschge, sondern auch für Insekten ein Paradies und notwendig für ihr Überleben. Streuobstwiesen und knorrige Obstbaumstämme bieten den idealen Lebensraum für viele Tierarten.

Bäume bestimmen: Obstbäume

Obstbäume lassen sich am leichtesten unterscheiden, wenn Früchte daran hängen! Im Frühling tragen sie besonders schöne Blüten in Weiß- und Rosétönen. Die Blätter sind meist eiförmig und länglich zugespitzt.

Übrigens: Auch Nussbäume zählen im weiteren Sinn zu den Obstbäumen!

Wachsen in Deutschland bald Orangenbäume?

Der Klimawandel beschäftigt Wissenschaftler auch in der Frage, wie der deutsche Baumbestand in Zukunft aussehen kann. Die altbewährten Baumarten wie Ulme, Esche und Platane, die aktuell noch das Bild unserer Städte prägen, leiden. Schon heute sind Ulmen rar und Eschen werden in den kommenden Jahren auch immer seltener werden. Nun wird nach neuen Baumsorten gesucht, die höheren Temperaturen und Schadstoffen in der Luft trotzen, fehlende Nährstoffe ignorieren und denen Salzeinsatz im Winter und Wassermangel im Sommer nichts anhaben kann.

Es gibt zahlreiche Projekte, bei denen unterschiedliche Baumarten auf ihre Eignung für die neuen Bedingungen getestet werden. Dabei kommen auch Arten aus anderen Kontinenten zum Einsatz – beispielsweise die Baummagnolie, der Ginkgobaum oder der Dreizahnahorn.

Um die deutschen Wälder resistenter gegen den Klimawandel und die damit einhergehenden, gesteigerten Temperaturen zu machen, testen Förster und Wissenschaftler die Eignung unterschiedlicher nicht-heimischer Baumarten. Zu den vielversprechendsten Kandidaten zählen aktuell die aus Nordamerika stammende Douglasie sowie die eigentlich im Mittelmeerraum beheimatete Edelkastanie (auch Esskastanie genannt). Beide haben sich bereits in den letzten Jahren auch in der heimischen Forstwirtschaft bewährt. Der Einsatz von exotischeren Baum-Arten wie der Schwarznuss oder dem Tulpenbaum – beide stammen aus Nordamerika – wird ebenso erprobt.

Dass demnächst Orangenbäume unsere Straßenzüge zieren, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Sie benötigen, ähnlich wie Oliven, Temperaturen von mindestens 10 Grad und mögen Frost überhaupt nicht.