Wie aus leeren Weinfässern
echte Midmill Drums werden

Boris Ritscher baut in Handarbeit Drums aus alten Weinfässern. Dabei wird Holz gehobelt, geleimt und nach traditionellem Küferhandwerk verarbeitet.

Die Arbeit mit dem Handhobel hat schon fast etwas Meditatives. Darin kann ich mich verlieren.

Boris Ritscher, Trommelbauer

Die Werkstatt der Midmill Drums

Feiner Holzstaub wirbelt in der Luft – die Sonne, die durch die großen Fensterfronten in der historischen Mühle dringt, strahlt die kleinen Partikel bei ihrem Tanz an. Kein Wunder, schließlich werden gerade alte Dielenbretter eines ehemaligen Tanzsaals mit der Oberfräse bearbeitet. Aus diesen baut Boris Ritscher in der Mittelmühle im rheinhessischen Osthofen nämlich ebenso Trommeln wie aus Bäumen, alten Möbeln oder Weinfässern.

Die Geschichte und die Herkunft der verwendeten Hölzer sind für Ritscher ebenso von Bedeutung wie das Handwerk selbst. Bei ihm treffen die Leidenschaft für das Arbeiten mit Holz mit jener für die Musik aufeinander. Seit seinem 14. Lebensjahr ist Boris Ritscher passionierter Schlagzeuger – aus diesen beiden Hobbys wurden schlussendlich die Midmill Drums. Namensgeber seiner Schlagzeugmarke ist die im 14. Jahrhundert erbaute Mittelmühle, in der er seine Werkstatt hat.

Natürlicher Klang durch traditionelle Fassbauweise

Ein „Schlagzeug von der Stange“ wollte Ritscher nie haben. Er suchte nach einem Instrument mit persönlicher Note. Doch das war kaum zu finden. Also entschloss er sich vor etwa 15 Jahren, seine eigenen Drums zu bauen.

Heute bekommt der 48-jährige Aufträge aus ganz Deutschland und sogar über die Bundesgrenzen hinaus. Und die kommen nicht nur von Hobby-Musikern. Auch Profi-Schlagzeuger wollen auf einer Midmill Drum spielen.

Das hat nicht nur sentimentale Gründe: Da Ritscher nicht mit dünnen, gebogenen Platten mit Holzfurnier arbeitet, sondern seine Midmill-Drums nach Fassbauweise aus einzelnen Längshölzern, sogenannten Dauben, fertigt, steht das Holz nie unter Spannung und bekommt so einen natürlichen Klang.
„Wenn Du an einen meiner Kessel klopfst, merkst Du sofort, dass der Grundton sehr viel tiefer ist als bei schichtverleimten Trommeln. Und mit diesem tiefen Grundton kannst Du tolle Sounds rausholen“, erklärt Ritscher.

Schlagzeuge mit persönlicher – und historischer – Note

Doch wie lange dauert das Herstellen einer Trommel in der Fassbauweise? Die kleinste und einfachste Variante, eine Snare Drum, ist in etwa 10 bis 15 Arbeitsstunden gefertigt, für komplette Sets benötigt Ritscher deutlich länger. Dafür kann der Kunde aber nicht nur das Holz, sondern sogar die sichtbare Maserung frei wählen. Schließlich ist jede Midmill Drum ein Unikat.

Das älteste Holz, das Ritscher bislang zum Bau verwendet hat, war ein Weinfass von 1850, aus dem schon Richard Wagner getrunken hat. Und auch hier ist er vorgegangen wie bei jeder Midmill Drum: das Holz hobeln, auf die richtige Länge sägen, die Dauben präzise auf Gärung schneiden, aneinandersetzen, exakt verleimen, mit der Oberfräse zu einem perfekten Kreis formen und Gratungen und metallene Beschlagteile anbringen. Die Handwerkskunst hat sich Ritscher übrigens selbst beigebracht. Er ist Autodidakt und verbindet das alte Küferhandwerk mit dem des Schreiners.

Den passenden Holzleim finden

Bei den Midmill Drums – ebenso wie bei jeder anderen verbindenden Tätigkeit mit Holz ohne Schrauben und Nägel – führt kein Weg an Holzleim vorbei. Denn Leim sorgt für eine starke und lebenslange Verbindung des Werkstoffs und sollte bei Schreinern, Tischlern und auch bei jedem Heimwerker zur Grundausstattung gehören. Ob Du eine neue Sitzbank aus Holz bauen oder Möbelstücke reparieren möchtest: Hast Du das Holz erst einmal richtig verleimt, ist das schon die halbe Miete. Dabei kommt es vor allem darauf an, ob Du einen Leim für den Außenbereich benötigst. Ist dies der Fall, solltest Du unbedingt zu einem wasserfesten Leim der Stufe D3 oder D4 greifen. Hinter diesen Abkürzungen verbirgt sich die sogenannte „Beanspruchungsgruppe“. Diese zeigt Dir an, wie belastbar die Verbindung ist, die der Holzleim herstellt. Während D1 nur „trockenfest“ ist und ausschließlich für wenig beanspruchte Teile in trockenen Innenräumen eingesetzt werden sollte, handelt es sich bei D4 um „feuchtwasserfesten“ Leim, den Du problemlos auch in Bädern oder für stark belastete Verbindungen im Außenbereich – wie beispielsweise das Verleimen einer hölzernen Sitzbank – verwenden kannst.

Tipp: Wenn’s schnell gehen soll: Expressleim

Für kleinere Anwendungen beim Basteln oder Modellbau – oder auch bei Werkstücken, die man nicht gut mit einer Schraubzwinge fixieren kann – eignet sich dieser Expressleim. Seine Besonderheit: Er ist schon nach wenigen Minuten komplett trocken. Generell härten die meisten Holzleim-Arten relativ schnell aus und sind oft schon nach 15 bis 30 Minuten fertig getrocknet. Vor allem in Innenräumen solltest Du darauf achten, dass der verwendete Leim frei von Lösungsmitteln ist. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Du den Leim am Ende abschleifst und er als feiner Staub in die Luft gelangt. Fast alle Holzleime werden transparent sobald sie trocknen – dann macht es auch nichts, wenn beim Zusammenpressen der beiden Werkstoffe etwas Leim hervortritt. Einfach im trockenen Zustand abschleifen – und fertig. Vor allem wenn Du kleinere Stellen miteinander verbinden willst, solltest Du darauf achten, dass der Leim in einem Gefäß mit Dosierspitze ist, um ihn präzise auftragen zu können.

Holz richtig verleimen:
So geht‘s

Zuerst solltest Du Dir all deine benötigten Utensilien und Werkzeuge bereitlegen, damit Du alles zur Hand hast. Am besten machst Du eine kurze „Trockenübung“, um zu sehen, ob Du auch ausreichend Schraub- und Federzwingen hast, um alle Bauteile zu fixieren. Handelsübliche Holzleime – aufgrund ihrer Farbe vor dem Trocknen auch Weißleim genannt – können direkt verarbeitet werden und müssen weder mit Wasser verdünnt noch um andere Substanzen ergänzt werden. Am besten haftet der Leim auf unbehandeltem Holz, wenn möglich solltest Du Lack oder Lasuren an der zu leimenden Stelle zuvor abtragen oder anschleifen. Achte darauf, dass der Untergrund der Werkstücke trocken, staub- und fettfrei ist, um die optimale Haftung zu erhalten. Dann trägst Du, entweder mit der Dosierspitze der Leimflasche oder bei größeren Flächen mit einem Pinsel, den Leim auf, drückst die Werkstücke fest aneinander und fixierst diese so fest wie möglich.

Überquellenden Leim solltest Du mit einem feuchten Tuch oder Lappen sofort entfernen. Schaue vorher am besten auf die Packungsangabe von Deinem Leim, wie lange er zum Trocknen benötigt. Nach dieser Zeit kannst Du die Schraub- oder Federzwingen wieder entfernen und alles hält perfekt zusammen. Jetzt kannst du noch mit einem Schleifpapier – entweder von Hand, bei größeren Flächen auch mit einer Maschine – vorsichtig die trockenen Leimreste abschleifen. Übrigens: Holzleim eignet sich in erster Linie für das Verbinden von zwei hölzernen Werkstücken. Möchtest Du hingegen Metall oder Kunststoff mit Holz verkleben, eignen sich am besten Zweikomponentenkleber auf Epoxidbasis.