
Insektenfreundliche Wildblumen
Wer seinen Gartenreich, Balkon oder Terrasse in eine naturnahe Oase für Insekten verwandeln will, dem legen wir ein- und mehrjährige Wildpflanzen ans Herz. Geschickt gepflanzt sind die unkomplizierten Schönheiten vom Frühjahr bis in den Winter hinein unerschöpfliche Nahrungsquellen. Wir stellen Dir die wertvollsten Wildpflanzen vor und wie sie Deine Beete, Kästen und Kübel erobern.


Der insektenfreundlichen Wildpflanzengarten
Einfach mal wachsen lassen, lautet das Motto im insektenfreundlichen Wildpflanzengarten, der mit einer ungezwungenen, charmanten Gestaltung bereits viele Hobbygärtner überzeugt hat. Ob Du nun den ganzen Garten in ein wildes Paradies verwandeln möchtest oder nur ein Wildpflanzenbeet anlegst – die heimischen „Wilden“ liegen voll und ganz im Naturgarten-Trend. Immer mehr attraktive Arten gibt es in den Fachcentren zu entdecken, und das heißt: Viel Potenzial für Überraschungen!
Wildblumen und ihr ganz eigener Charakter
Wildblumen sind heimische Pflanzen, aber was genau bedeutet eigentlich heimisch? Streng genommen gilt als heimisch, was vor der Entdeckung Amerikas (1492) durch Christoph Columbus bei uns in freier Natur wuchs. Aber so genau lässt sich das gar nicht eingrenzen, sodass am besten gilt: Alles, was zwischen Nordsee und Alpenraum in freier Natur wächst, ist bei uns heimisch, also gut angepasst an die natürlichen klimatischen Bedingungen. Und das zählt zu den großen Vorteilen der Wildpflanzen: Sie sind allesamt robust und pflegeleicht, kommen meist mit weniger Dünger aus und sind kaum anfällig für Krankheiten und Schädlinge.


Besonders wertvoll
Mindestens genauso wichtig ist ihr ökologischer Wert - sie sind besonders insektenfreundlich: Sie liefern Pollen und Nektar für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten, die sich an den Blüten laben, gleichzeitig aber auch als Bestäuber fungieren und so den Fortbestand der Pflanzen sichern, denn aus den bestäubten Blüten entwickeln sich Früchte und später Samen.
Insekten kommen immer dahin, wo es blüht, allerdings sind die heimischen Pflanzen ihnen besonders lieb, die sie aus der Natur kennen. Die einfachen Blüten sind so auf die Bedürfnisse der Insekten abgestimmt, dass sie direkt zur Nahrungsquelle gelangen. Bei gefüllten oder sehr großen Blüten klappt das nicht. Verschiedene Züchtungen entwickeln zwar spektakuläre Blüten, bilden aber gar keinen Pollen mehr.
Und noch ein Pluspunkt des naturnahen Gartens: Mit heimischen Wildblumen fördern Sie nicht nur die Insektenvielfalt, sondern auch andere Tierarten, die sich von Insekten ernähren wie beispielsweise Vögel, Igel, Amphibien und Reptilien.
Unser Tipp:
Bitte entnehme keine Pflanzen aus der Natur! Sie sind allesamt wichtig an ihrem Standort. Die gesetzliche Regelung lautet, dass keine Wildpflanze ohne vernünftigen Grund entnommen werden darf. Ausnahme ist die Handstraußregelung: Jeder darf Blumen, Gräser, Zweige für den persönlichen Bedarf nehmen, allerdings nur Pflanzen, die nicht dem besonderen Artenschutz unterliegen und nur an Stellen, wo kein Betretungsverbot herrscht. Am besten bleiben die Wildpflanzen in der Natur, denn das Fachcentrum in Deiner Nähe hat bestimmt viele gartentaugliche heimische Pflanzen im Sortiment.

Vagabunden mit Überraschungseffekt
Man unterscheidet zwischen Wildstauden und ein- oder zweijährigen Wildpflanzen, zu denen Sommeradonisröschen, Färberkamille, Rapunzel-Glockenblume, Kornblume, Akelei, Moschus-Malve, Stockrose, Königskerze, Mutterkraut und Fingerhut zählen. Einmal im Garten angesiedelt sind kurzlebige Blütenpflanzen die heimlichen Gestalter. Sagen den Pflanzen die Standortbedingungen zu, versamen sie sich fleißig und sichern so ihren Fortbestand. Sie beeinflussen das Gesicht des Naturgartens markant. Nach der Blüte sollte man deshalb die Pflanzen nicht zurückschneiden. Die beste Aussaatzeit für die Wanderer sind die Monate Mai bis Juni.
Blumensamen in großer Auswahl

Die Dauerhaften
Wildstauden, also die mehrjährigen Wildblumen, sind besonders wertvoll für den naturnahen Garten. Einmal ausgepflanzt, bleiben sie für viele Jahre an ihrem Platz und verschönern mit ihrem besonderen Charme die Beete. Die beste Zeit dafür ist im frühen Frühling und im Herbst. Unter den Wildstauden gibt es für jeden Standort die passenden Arten, neben Sonnenanbeter auch Schattenspezialisten und Hitzehelden. Gerade in Zeiten des Klimawandels mit langen Trockenheiten, Nässe und Hitze bereichern sie unsere Gärten, weil sie einfach mehr wegstecken können als züchterisch bearbeitete, empfindlichere Sorten.
Zu den StaudenUnser Tipp:
Pflanze doch mal eine oder mehrere insektenfreundliche Wildblumen, auf die bestimmte Wildbienenarten spezialisiert sind. Die Glockenblumen-Scherenbiene labt sich beispielsweise ausschließlich an Glockenblumen, die Knautien-Sandbiene an Knautien. So unterstützt Du die Insekten und die Pflanzen in Deinem Garten oder Balkon gleichermaßen.

Wunderschöne Wildstaudenwiese
Neben klassischen Pflanzungen mit Stauden, Blumenzwiebeln und Ziergräsern gibt es die Möglichkeit einer Wildstaudenwiese. Dabei werden Beete mit lang- und kurzlebigen Wildstauden wie Fingerhut, Wald-Geißbart, Wiesen-Storchschnabel und Weißer Lichtnelke wiesenhaft gestaltet. Wobei sich die Optik dank der ein- und zweijährigen Vagabunden von Jahr zu Jahr verändert.
Für ordnungsliebende Hobbygärtner mag dieses Konzept eine kleine Herausforderung sein, dafür wird man beobachten, wie sich der Garten nach und nach in ein Biotop verwandelt, in dem es summt und brummt.
Unser Tipp:
Achte nicht nur auf den richtigen Standort für die Wildstauden, sondern auch auf die Partner. Neben nährstoffbedürftigen Prachtstauden wie Rittersporn werden sich genügsame Wildstauden nicht halten.

Was bedeutet Naturnah gärtnern?
Durch eine große Pflanzenvielfalt aus ein- und mehrjährigen heimischen Wildblumenpflanzen, werden nicht nur Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co., sondern auch viele andere Wildtiere angelockt, die den Naturgarten beleben und ihn in eine Naturoase verwandeln.
Dabei steht das Gestalten mit Naturmaterialien im Fokus. Trockenmauern, Teiche, Steinhaufen, Insektenhotels gehören dazu, die Unterschlupf und Lebensraum für die Tiere bieten. Auch wilde Ecken gehören dazu, wo zum Beispiel Brennnesseln wachsen dürfen, eine wichtige Raupenfutterpflanze für Schmetterlinge. Passend dazu werden Gartenwege mit Rindenmulch oder Kies angelegt, die zum natürlichen Ambiente beitragen. Was noch alles für Wildbienen getan werden kann und warum das überhaupt so wichtig ist, darüber informiert #beebetter, eine bundesweite Initiative zum Schutz der Wildbienen. Sie setzt ein Zeichen für naturfreundliches und ressourcenschonendes Verhalten.
Wildblumen-Topfgarten
Auch auf Balkon und Terrasse kannst Du Deinen kleinen Wildblumengarten in Töpfen anlegen. Achte auch hier auf den Standort und verwende als Erde ein durchlässiges, nährstoffarmes Substrat, zum Beispiel Kräutererde, die meist weniger Nährstoffe enthält. Zusätzlich kannst Du noch etwas Sand untermischen. Am besten eignen sich unglasierte Tontöpfe, die unbedingt ein Wasser-Abzugsloch haben sollten. Staunässe ist nämlich nichts für Wildpflanzen.
Mit "Heimathelden" Gutes für die Natur tun
Sven Straeten ist Gärtnermeister und betreibt einen Gärtnereibetrieb am Niederrhein. Mit seinem Bruder Ben arbeitet er an grünen Lösungen für morgen. Dabei setzen sie mit ihrem Unternehmen Greenhats Heimatliebe unter anderem auf einheimische Wildstauden zur Förderung der Biodiversität im eigenen Hausgarten.
Bunte Auswahl
Farbenfroh, bunt und natürlich ist die Auswahl aus Echtem Johannis- kraut, Weißer Lichtnelke, Schafgarbe, Rotem Leinkraut, Acker- Witwenblume, Kuckucks- Lichtnelke und Echtem Leinkraut.
NEU IM SORTIMENT von BAUHAUS sind seit dem Frühjahr 2024 die Wildstauden "Heimathelden", die sofort ins Auge fallen. Auf den liebevoll gestalteten Pflanzenetiketten findet man wissenswerte Infos über die Eigenschaften der jeweiligen Art (zum Beispiel Heilpflanze, Insektenfutter). 10 Cent pro verkauftem Topf gehen als Spende an ausgewählte Naturschutz-Projekte in Deutschland.