
Selbst gemacht tut gut
Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten von Balkon und Terrasse ernten liefert frische und gesunde Nahrungsmittel, die gleich genascht, zu leckeren Gerichten verarbeitet oder konserviert werden können. Selbstversorgung ist im Trend und macht Freude. Hier bekommst Du viele Tipps, wie das richtig geht.
Wer schon mal selbst Obst, Gemüse oder Kräuter gezogen hat, weiß, wie erfüllend das ist und wie gut die eigene Ernte schmeckt. Dabei ist es egal, ob sie aus einem Nutzgarten stammt oder aus ein paar bepflanzten Töpfen vom Balkon oder dem Fensterbrett – denn keine Fläche ist zu klein für den eigenen Anbau. Willst Du aber ganz und gar von dem leben, was der Garten hergibt, muss Du für die Selbstversorgung pro Person eine Fläche von 85 Quadratmetern für Gemüseanbau, Obst und Kartoffeln rechnen, besser sind bis zu 140 Quadratmeter. Aber nicht nur die Fläche spielt eine Rolle, sondern auch die Zeit für Anbau und Pflege der Pflanzen und nicht zuletzt für die Verarbeitung. Ob wenig oder viel Platz, ob Topf- oder Indoor-Garten – baue an, was Dir schmeckt und Dein Zeit-Budget nicht überstrapaziert, denn es geht auch um Spaß an der Selbstversorgung! Und immer hast Du den Vorteil und die Gewissheit, dass Deine Ernte ökologisch, saisonal und regional ist!
Bestandsaufnahme
Schaue Dir zuerst die Bedingungen an: Scheint beinahe den ganzen Tag die Sonne auf den Garten oder ist es eher schattig? Viele Gemüse- und Obstarten, allen voran Tomaten, Kürbis und Erdbeeren, mögen es gerne sonnig, wer im Garten oder auf Balkon und Terrasse schattigere Bereiche hat, muss aber nicht auf die eigene Ernte verzichten. Hier lassen sich beispielsweise Kohlarten, Spinat, Möhren, Bohnen, Erbsen, Lauch und Zwiebeln aber auch verschiedene Beerenobstarten gut kultivieren. Ganz ohne Sonne geht es aber meist nicht.


Auch der Boden im Garten spielt eine Rolle. Setze deshalb auf Pflanzen, die sich in Deinem Garten wohlfühlen. Auf schweren, tonigen Böden, wo die Erde nach einem Regen an den Stiefeln klebt, wachsen viele Gemüsearten, nur Salat hat es schwer, der fault recht oft.
Und auch mit Wurzelgemüsen wirst Du möglicherweise nicht wirklich froh: Karotten werden beispielsweise beinig, weil die Wurzeln nicht tief genug in den verdichteten Boden eindringen können. Leichte, sandige Böden sind etwas für Wurzelgemüse, Kürbis, Zucchini, Winterzwiebeln, Knoblauch und Paprika.
Auch im Topfgarten spielt die Lage von Balkon, Terrasse oder Fensterbrett eine Rolle, qualitativ hochwertige Erde kannst Du aber kaufen. Du bist nicht auf die Gegebenheiten vor Ort angewiesen. Töpfe und Kübel sollten aber ausreichend groß sein, damit sich die Pflanzen gut entwickeln können.
Am Anfang steht die Planung
Mit einer geschickten Gartenplanung kannst Du sogar das ganze Jahr über ernten. Ganz früh geht es im Gewächshaus und Frühbeet schon mit den ersten Salaten los. Werden Gemüse wie Tomaten, Gurken, Zucchini oder Kürbis auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorgezogen, haben die Jungpflanzen einen Vorsprung vor den im Beet ausgesäten. Damit die Voranzucht gelingt, gibt es extra Anzuchtsets und Mini-Gewächshäuser, die ideale Bedingungen für das keimende und heranwachsende Gemüse bieten. Gerade beim Saatgut hast Du zum Beispiel bei Tomaten eine sehr große Auswahl an Sorten, die es schon vorgezogen gar nicht gibt. Steht weder Zeit noch Platz für den Pflanzen-Kindergarten zur Verfügung, dann bekommst Du in Deinem Fachcentrum schon vorgezogene gesunde Jungpflanzen zum Auspflanzen.


Unser Tipp:
Überlege Dir, wie viel Platz für Obst- und Gemüseanbau zur Verfügung steht und notiere in einem Gartenplan, was wann und wo gesät, gepflanzt und später geerntet wird. Selbst in einem kleinen Garten lohnt es sich, einen Anbauplan anzufertigen.
Dann weißt Du immer, was im letzten Jahr auf welchem Beet stand, und kannst zwischen den Beeten und Gemüsepflanzen abwechseln. Kommt auf dasselbe Beet immer das gleiche Gemüse, werden die Erträge nach und nach sinken.
Jahresplan Gemüsegarten

Früchte aus dem eigenen Anbau
In Deinem Selbstversorgergarten darf Obst nicht fehlen. Vor allem bei wenig Platz ist Beerenobst ideal und außerdem noch leichter im Anbau als Baumobstarten. Besonders Kinder naschen gerne von den Beeren, die mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen auch einen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten. Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren, und noch mehr – die Auswahl ist groß. Einmal gepflanzt, bleiben die Sträucher für viele Jahre im Garten stehen. Sie müssen nur gelegentlich gedüngt und geschnitten werden, das war es dann aber schon mit den Pflegemaßnahmen.


Einzig Erdbeeren brauchen etwas mehr Zuwendung. Sie bekommen nach der Blüte eine Unterlage aus Stroh, die zwischen den Pflanzen verteilt wird und so die Früchte sauber und trocken bleiben.
Nach der Ernte werden sie bis auf die innersten Blätter zurückgeschnitten, alle drei Jahre sollten sie durch Ableger vermehrt werden und wechseln dann auch gleich den Platz. Das muss zwar nicht unbedingt sein, garantiert aber reiche und gesunde Ernten.
Die Erntezeit im Beeren-Selbstversorgergarten beginnt im Mai mit der Maibeere, ab Juni folgen Kulturheidelbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Preiselbeeren folgen.
Topfgarten zum Naschen
Obst und Gemüse wächst genauso gut in Töpfen, Kübeln und Kästen. Achte immer auf balkontaugliche Sorten, die meist kleiner bleiben.


Neben Beerenobst gibt es auch Obstgehölze wie Apfel, Pfirsich und Birne, die in Töpfen gedeihen.
Beim Gemüseanbau gibt es je nach Pflanzenart verschiedene Vorgehensweisen: Karotten und anderes Wurzelgemüse brauchen ausreichend tiefe Töpfe, damit sich die Wurzeln auch gut entwickeln.
Alternativ wählst Du Sorten mit kugeligen Wurzeln, zum Beispiel die Karottensorte Pariser Markt 2.
Große Auswahl an Beerenobst
Auf Vorrat – die besten Konservierungsmethoden
Kurze Anleitungen und Rezepte, wie Du Deine Ernte haltbar machen kannst.
Ganz frisch
Besonders Gemüse mit festem, stärkehaltigem Fleisch, lassen sich gut und lange im Keller aufbewahren. Dazu zählen Sellerie, Kartoffeln, Kürbisse, aber auch Kraut. Auch Äpfel halten sich gut im Lager. Die Früchte sollten sich möglichst nicht berühren, denn die Berührungspunkte sind anfälliger für Schimmel und die Übertragung von Krankheiten. Karotten, die schneller austrocknen und dann weich werden, legt man am besten in Sand ein, der immer ein wenig feucht sein sollte.
Für Eilige
Haltbarmachen durch Einfrieren geht recht schnell, denn die Ernte muss lediglich gewaschen, geputzt, meistens kleingeschnitten und blanchiert, also kurz abgekocht, und luftdicht verpackt werden – und dann ab damit in den Gefrierschrank. Die wertvollen Inhaltsstoffe bleiben dabei besser als beim Einkochen erhalten.
Für den Genuss
Trocknen ist eine uralte aber immer noch aktuelle Methode. Ohne Energie kommt das Trocknen auf Sieben oder Rosten an der Luft aus. Vor allem Kräuter sind dafür geeignet, die man bündelweise auch an einem luftigen geschützten Platz aufhängen kann. Bei wasserreichem Obst und Gemüse gelingt das Trocknen an der Luft aber selten. Ein Dörrapparat ist das Mittel der Wahl, wer nur wenig trocknet, kann auch den Backofen bemühen. Der Arbeitsaufwand und der Stromverbrauch sind gering, im Gegensatz dazu ist das Ergebnis sehr viel bunter, als man denkt: Vom Trockenobst bis zum selbstgemachten Gemüsebrühpulver ist vieles möglich.
Für Sorgfältige
Ein Einkochapparat oder einen großen Kochtopf mit Deckel und ein Thermometer, Einmachgläser mit Dichtungsringen und Halteklammern oder Twist-Off Gläser sind neben Obst und Gemüse die Zutaten fürs Einkochen. Bis alles geschnippelt und vorbereitet ist, dauert es eine Weile. Als Zutat: Obst, Gemüse und Kräuter können außerdem in Essig, Öl oder Alkohol eingelegt werden, z. B. Kräuteressig, Chiliöl und Rumtopf.
Für Experimentierfreudige
Früher hieß es Milchsäuregärung, heute sagt man Fermentation: Das Gemüse wird zum Fermentieren weder erhitzt, noch kommen Stabilisatoren oder sonstige Konservierungsstoffe dazu. Neben Weißkraut und Blaukraut können auch Gurken, Kohlrabi, Möhren, Paprika und viele andere Gemüse eingesäuert werden. Dabei Es gibt jede Menge tolle Rezepte, grundlegend sind aber zwei verschiedene Methoden, zum einen das Trockensalzen und zum anderen das Fermentieren mit Salzlake.
Vorab das Wichtigste: Hygienisch arbeiten ist das A und O beim Fermentieren. Der Arbeitsplatz, die Hände, das Arbeitsmaterial – alles muss sauber sein. Dann kann es aber schon losgehen: Die Gemüseernte wird sorgfältig geputzt, gewaschen, und zerkleinert. Dabei gilt: Je kleiner geschnitten, umso schneller geht die Fermentation vonstatten.


Beim Trockensalzen wird geraspeltes, gehobeltes bzw. sehr klein geschnittenes Gemüse im eigenen Saft fermentiert. Je nach Rezept kommen auf 1 Kilogramm Gemüse meist 2 Prozent Salz, d.h. für 1 Kilogramm Kraut werden 20 Gramm Salz benötigt. Gemüse und Salz werden gemischt und kräftig mit den Händen durchgeknetet, bis reichlich Zellsaft austritt.
Anschließend kommt das Ganze in Gläser, zwischendurch wird mit einem Holzstößel immer wieder gestampft, es darf keine Luft im Glas bleiben und der Zellsaft muss über dem Gemüse stehen.
Als Abschluss dient ein größeres Gemüseblatt, am besten vom Kohl, dann wird mit einem Glasgewicht beschwert, Gärdeckel drauf, fertig! Das Glas darf nicht zu voll sein – das ist wichtig – denn mit Beginn der Gärung bildet sich CO2, Luftbläschen steigen auf und es „brodelt“ im Gefäß.
Wird in Salzlake fermentiert, stellst Du eine 30-prozentige Lake her, d.h. es werden 30 Gramm Salz in 1 Liter Wasser aufgelöst und diese Lösung über das gewürfelte Gemüse im Glas gegossen. Auch hierbei sollte das Gemüse von Flüssigkeit völlig bedeckt sein.
Das Ferment bleibt nun 5-7 Tage bei Zimmertemperatur stehen, wenn sich nach 1-2 Tagen Bläschen bilden, läuft alles nach Plan. Anschließend kommt es für 1-2 Wochen in den Kühlschrank. Am besten wird nun immer mal wieder probiert, ob es schon schmeckt. Kühl aufbewahrt hält sich Fermentiertes mehrere Monate.