Wie aus Holz und Leidenschaft
echte Drechselkunst entsteht

Franz Josef Keilhofer und seine Werkzeuge – sie sind ein eingespieltes Team. Auf einem uralten Bauernhof in Bayern am Fuße des Watzmanns schafft er aus Holz Drechselkunst. Wir haben ihn besucht und ihm über die Schulter geschaut.

Neben spannenden Einblicken und Anregungen findest Du hier Tipps, wie Du selbst Kunstwerke und Gegenstände auf der Drehbank herstellen und das Drechseln lernen kannst.

Franz Keilhofer Porträt Franz Keilhofer Porträt

Was die Natur hervorbringt, kann man nicht besser machen. Ich kann nur gestalten, variieren, improvisieren.

Franz Josef Keilhofer, Drechsler

Drechseln: Eine lebendige Handwerkstradition

Drechseln gilt als eines der ältesten Handwerke der Welt. Die Techniken und Werkzeuge haben sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Franz Josef Keilhofer lässt die historische Handwerkskunst weiterleben, indem er Meißel, Stemmeisen und Hobel geschickt einsetzt. Fast schon eins mit ihnen wird. „Ein Werkzeug zu bewegen ist dasselbe, wie meinen Finger zu bewegen“, sagt der Berchtesgadener.
Franz Josef Keilhofer besitzt eine Holzwerkstatt für Drechselkunst am Fuße des Watzmanns. Der 31-Jährige ist Drechsler aus Passion und stellt allerlei schöne Dinge her, darunter Schalen, Brotzeitbretter, Dekorstücke wie Zylindervasen und Kleinteiliges wie Stifte – alles Drechselkunstwerke.

Den Umgang mit Drechselbank und Werkzeugen hat er sich selbst beigebracht – mithilfe von Büchern und YouTube-Videos. „In der Praxis hat sich das erstaunlich leicht umsetzen lassen“, sagt er.

Vor neun Jahren gründete Franz Josef Keilhofer sein Label „Ginger Wood“. Vom Aussuchen des Holzes über das Fotografieren seiner Werke bis hin zum Verkauf liegt alles in seiner Hand. Das erfordert viel:

  • Arbeit und Ausdauer
  • Geduld
  • Frustrationstoleranz
Franz Keilhofer im Stall Franz Keilhofer im Stall

Wunderwerkstoff Holz – davon gibt’s genug vor der Haustür

Seine Familie besitzt ein kleines Stück Wald, mit ihm (und in ihm) ist er groß geworden. Der Wald ist Teil seiner Identität, wie er sagt. Grundsätzlich ist Holz für den Mann mit den Tätowierungen der „wunderbarste Werkstoff“. Holz zu sägen, zu hobeln und zu schleifen – ein wahr gewordener Traum.

Mit Gehörschutz und Schutzbrille steht Franz dann an der Drechselmaschine (Drehbank) und bringt ein rotierendes Holzstück schichtweise in Form. Dabei muss er die richtige Drehzahl finden. Im Anschluss beseitigt er mit verschiedenen Schleifpapieren die letzten Unebenheiten und Bearbeitungsspuren.

In seinem beachtlichen Lager liegen rund 40 Holzsorten. Das bringt er mit den unterschiedlichen Hölzern in Verbindung:

  • Eiche: verbreitet einen mediterran erfrischenden Zitrusduft
  • Esche: riecht nach frischem Popcorn
  • Eibe: verströmt einen leichten Hauch von dunkler Schokolade
  • Fichte: ihre Öle wirken gesundheitsfördernd
  • Zirbe: wirkt beruhigend und schlaffördernd

Mehr über Keilhofers Drechselkunst erfährst Du auf seiner Website.

Franz Keilhofer schleift Franz Keilhofer schleift

Richtig drechseln – nicht so leicht, wie es aussieht

Um mit dem Drechseln – eigentlich spricht man übrigens eher vom „Drehen“ – zu beginnen, benötigst Du natürlich eine Drehbank. Das elektrische Werkzeug ist die Grundvoraussetzung, da in dieses Dein Werkstück für die Bearbeitung eingespannt wird. Das muss übrigens nicht immer Holz sein – neben Speckstein lassen sich auch viele Kunststoffe wie Plexiglas gut bearbeiten.

Gerade bei den ersten Versuchen solltest Du auf das sogenannte Langholzdrechseln setzen. Hierbei wird das Werkstück an beiden Enden in die Drechselbank eingespannt und dreht sich längs zur Faserrichtung des Holzes. Achte immer darauf, dass die Handauflage richtig positioniert ist, wenn Du arbeitest. Weder solltest Du Dich verkrampfen noch solltest Du zu viel Kraft aufwenden, um das Holz zu bearbeiten.

Die meisten Profis drechseln übrigens im Stehen – nicht im Sitzen. Das Werkzeug – beispielsweise eine Abstechstähle oder eine sogenannte Röhre (ein gebogenes Schneidwerkzeug) – solltest Du mit leichtem Druck an das Holz halten und immer im gleichen Winkel arbeiten. Nimm lieber etwas weniger Material ab, so kannst Du akkurater nacharbeiten. Drückst Du zu fest, besteht die Gefahr, dass das Werkzeug verkantet. Arbeite Dich von einfachen zu etwas komplexeren Formen. Versuche beispielsweise zuerst, einen ganz gleichmäßigen Stab zu drechseln. Diesen flachst Du dann an den Enden etwas ab und kannst ihn anschließend mit einem leichten Muster zu einem Treppenpfosten oder einem Kerzenständer umfunktionieren.

Auf das Werkzeug kommt es an

Wie bereits erwähnt, ist das wichtigste Werkzeug natürlich die Drehbank – die ältesten bekannten Exemplare sind übrigens weit über 1000 Jahre alt und wurden natürlich noch mit Muskel-, größere Modelle zu Zeiten der Römer gar mit Wasserkraft oder von Pferden angetrieben. Kleine Modelle, die eher für den Modellbau geeignet sind, gibt es schon für etwas mehr als 100 Euro – industrielle Drehbänke können mehrere Tausend Euro kosten. Im Produktkarussell am Ende des Artikels findest Du Modelle, die sich für die heimische Werkstatt eignen.

Um gleichmäßig das Material vom Werkstück abzutragen, benötigst Du die entsprechenden Schneide-Werkzeuge. Hier empfiehlt sich ein Sortiment mit unterschiedlichen Schnittflächen. Gerade Schneide-Kanten in unterschiedlichen Längen bieten Dir Flachmeißel, Stechbeitel und Abstechstähle. Röhren haben eine gebogene Schnittfläche – hier gibt es unterschiedliche Durchmesser und Krümmungen wie etwa die Schruppröhre, die Spindelformröhre oder auch die keilförmig zusammenlaufende Deutsche Röhre. Probiere einfach aus, was Dir bei der Arbeit am besten gefällt. Spezialwerkzeuge wie Ausdreh- oder Schlichtstähle wirst Du für Deine ersten Projekte nicht benötigen. Sie werden eher für spezielle Hohlkörper wie Vasen oder Tassen benötigt. Außerdem empfehlen sich: eine Schutzbrille, Arbeitshandschuhe und ein Schleifstein, um Deine Werkzeuge immer scharf zu halten.

Neues Leben für alte Berufe: Lebendiges Handwerk

Nicht nur im Urlaub kann man entschleunigen. Das Beschäftigen mit alten Handwerksberufen bietet oft eine ebenso gute und willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch ökologisch begrüßenswert ist, sich eigene Vasen, Becher oder Kerzenhalter aus heimischem Holz herzustellen, anstatt die entsprechenden Produkte aus Kunststoff zu kaufen. Vielerorts gibt es deshalb Brauchtumstage oder Handwerkermärkte, auf denen Menschen zeigen, wie sie noch heute Traditionen leben und alter Handwerkskunst neues Leben einhauchen.

Das Drechseln ist nur eines von vielen Beispielen. Flößer bauen aus regionalen Tannen ein komplettes Boot, Steinmetze bearbeiten gewaltige Granit- und andere Steinblöcke mit traditionellem Werkzeug und Muskelkraft, Schmiede bearbeiten Metall mit Hammer und Amboss, Polsterer geben alten Sesseln und Couch-Garnituren ein neues, bequemes Innenleben und Kupferdrucker zeigen, wie man seine eigenen Kunstwerke für das heimische Wohnzimmer herstellen kann.

Unser Tipp: Garantiert gibt es auch in Deiner Region „lebendiges Handwerk“ – lass Dich davon inspirieren!

Na, auf den
Geschmack gekommen?

Drechseln kannst Du vom Profi lernen oder Dir selbst beibringen. Franz Josef Keilhofer hat sich die Fähigkeiten autodidaktisch angeeignet. In seinem Buch „Mit Holz, Herz und Hand: Das echte Leben – ein Mann und sein Handwerk“ (Ludwig Verlag) beschreibt er detailliert seinen „Holzweg“.

Nicht nur das Hantieren mit Hobel und Schleifpapier, auch der fachmännische Umgang mit einer Motorsäge will gelernt sein. BAUHAUS unterstützt Dich mit einem sinnvollen Motorsägenkurs – schau mal hier.

Und wenn Du passendes Werkzeug für kleine und große Arbeiten zu Hause brauchst, findest Du in unseren Fachcentren oder unserem Online-Shop eine große Auswahl an Holzwerkzeugen und -maschinen.

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