Nanning Dethlefsen und sein Team bei der Arbeit

Meerblick inklusive:
Die Reetdachdecker von Amrum

Das Team von Nanning Dethlefsen arbeitet mit Aussicht: Auf der Urlaubsinsel Amrum decken sie an der Nordsee Reetdächer nach alter Handwerkstradition.

Hieraus entsteht ein Dach Hieraus entsteht ein Dach

Für ein neues, knapp 300 Quadratmeter großes Reetdach, brauchen wir etwa sechs
bis zehn Wochen.

Nanning Dethlefsen, Reetdachdecker
Ein Reetdach wird gedeckt Ein Reetdach wird gedeckt

Knochenjob mit Perspektive

Das Arbeitsleben von Nanning Dethlefsen ist ganz schön schräg. Der 32-Jährige ist Chef eines kleinen Reetdachdecker-Meisterbetriebes. Nannings Familie lebt seit Generationen auf Amrum, fast alle sind Handwerker. Ein Reetdachdecker war bisher nicht dabei.

Auf der Meisterschule in Lübeck lernte Nanning das Handwerk, arbeitete ein Jahr in Finnland und kam dann wieder auf die Insel zurück – mit seiner Frau Emilia hat er zwei kleine Töchter. Reetgedeckte Häuser gibt es hier auf Amrum einige, vor allem im alten Friesendorf Nebel. Wer hier im Ortskern ein Haus besitzt oder kauft, muss die traditionellen Dächer erhalten – das schreibt der Denkmalschutz vor.

Einen Großteil des Tages verbringen Nanning und seine Mitarbeiter auf schiefen Ebenen. Reetdachdecken ist reine Handarbeit. Unter anderem deshalb ist ein Reetdach auch doppelt so teuer wie ein Ziegeldach. Für den Job muss man körperlich fit und wetterfest sein – und darf keine Höhenangst haben. Fehltritte könnten lebensgefährlich sein. Doch die Aussicht überzeugt: Aus sieben Metern Höhe reicht der Blick über das Wattenmeer bis zur Insel Föhr, an klaren Tagen sogar bis zum Festland.

Gut ist, wenn das Reetdach über 40 Jahre hält

Seit fünf Wochen sind die vier Dachdecker Matthias, Tim, Nanning und Tade (sein Bruder) damit beschäftigt, das Wohnhaus des Pastorensohnes in Nebel neu einzudecken. Die Arbeit beginnt morgens um 7 Uhr. Etwa sechs bis zehn Quadratmeter Fläche schaffen die Männer am Tag. 280 Quadratmeter Dachfläche hat das Wohnhaus. Bis das Dach fertig ist dauert es etwa sechs Wochen.

1976 wurde das Haus gebaut, so lange hat auch das erste Dach gehalten. Viele Reetdächer müssen nach etwa 30 Jahren neu gedeckt werden, einige sind schon früher marode. Das hängt vor allem von der Qualität des Reets und von der Dachneigung ab. Je steiler ein Dach, desto besser – 45 Grad sollten es mindestens sein, damit das Regenwasser gut ablaufen und das Dach schnell trocknen kann. Auch der Standort des Hauses ist ein wichtiges Kriterium: möglichst sonnig und keine Bäume in der Nähe, die Schimmel und Feuchtigkeit begünstigen könnten.

Auch Reetdächer müssen gedämmt werden. Sie lassen sich als Kalt- oder Warmdach konstruieren. Ein Kaltdach hat einen Zwischenraum zur gedämmten Innenwand des Dachbodens. So entsteht eine ständige Ventilation und das Reet kann besser trocknen. Ein Warmdach ohne Hinterlüftung braucht eine absolut undurchlässige Dampfsperre auf der Innenseite, um die Feuchtigkeit abzuhalten.

Mehr über das Reetdecken erfahren

Für Halt und etwas Standsicherheit auf dem steilen Dach sorgen kleine, flexible Alu-Leitern mit langen Dornen, die an den Dachlatten unter der etwa 30 Zentimeter dicken Reetschicht eingehakt werden. Mit dabei haben die Männer immer Drillapparat, Akkuschrauber, Cuttermesser und Akku-Heckenschere zum Kürzen des überschüssigen Materials. Der First wird zum Schluss aus Heidekraut, Grassoden, Dachpappe oder auch aus Kupferblech geformt.

Das Werfen und Auffangen der Reetbündel ist auf Dauer ziemlich anstrengend. Etwa vier Kilo wiegt so ein Bund, Tausende davon werden bei einem Objekt verarbeitet. Oben auf dem Dach werden die Reetbündel aufgeschnitten und der Inhalt wird unter die vorgespannten stabilen Querdrähte verteilt. Die Enden der Halme werden mit einem Klopfbrett in Form gebracht, sodass eine gleichmäßige Fläche entsteht.

Damit alles sicher hält, wird es mit dem Querdraht und Spezialschrauben an die etwa 30 Zentimeter tiefer liegenden Dachlatten gespannt. Dafür nutzt Matthias vorgefertigte Schrauben mit Bindedraht, die in Dänemark erfunden wurden und die Arbeit erleichtern.

Übrigens: Das Reet, das auf Amrum wächst, hat längst nicht die benötigte Qualität. Deutschland hat ohnehin keine großen Flächen mehr, auf denen Schilfrohr geerntet werden könnte. Rohstofflieferanten sind neben China auch die Türkei und Ungarn.

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